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Gombocz, Wolfgang L.

Gombocz, Wolfgang L.

Ich, Wolfgang Leopold Franz Gombócz, österreichischer Staatsbürger, wurde am 28. Sep-tem¬¬ber 1946 in Laafeld/Potrna 77, römisch-katholische Pfarre Radkersburg/Avstrijska Rad-gona, Land Steier¬mark, dem Landwirteehepaar Margareta (geborene Trummer; *5.1.1925) und Fer¬di¬nand Gombocz (1919-2010) als zweites von fünf Kindern geboren. Meine Kindheit verbrachte ich im zwe¬isprachigen (slowe¬nisch-deutschen) Radkers¬burger Dreieck/Radgonski tr¬ikot in einem Bauerndorf in dicht besie¬deltem, landwirtschaftlich ge¬nutztem Flachland mit klein¬bäuerlicher Struktur. Mein Elternhaus war einfach, in den Jahren nach dem Kriege karg, aber glücklich, durch die nahe gelegene Stadt Rad¬kersburg urban be¬ein¬flusst, fortschrittlich und liberal. Beginnend im September 1952 be¬such¬te ich die Um¬ge¬bungs- bzw. Land¬volks-schule in der Stadt Radkersburg und ein Jahr die dortige Hauptschule, bevor ich 1957 an das Bi¬schöf¬liche Gymnasium in Graz kam, wo ich im Mai 1965 meine Matura ablegte. Das Hu¬ma-nistische Gymnasium gab mir acht Jahre Unterricht in Latein und sechs Jahre in klassi¬schem Griechisch. Die schriftlichen Examensfächer bei der Rei¬fe¬püfung bestanden aus La¬tein, Griechisch, Deutsch und Mathematik, die mündlichen Prü¬fungen absolvierte ich in Ma¬the-matik, Griechisch und Philosophie. Meine dreizehn Jahre umfas¬sende Schulzeit lang spielte ich Violine und brachte es bis zu einem B-Geiger im Schul¬orchester; außerdem sang ich als Bassbariton im Chor des Bischöflichen Gymnasiums unter dem später in Berlin wir¬ken¬den, damaligen Grazer Domkapellmeister Anton Lippe.
Im Wintersemester 1965/66 begann ich ein Studium der (Katholischen) Theologie an der Karl-Franzens-Universität in Graz, ab dem Wintersemester 1966/67 kam als zweites Studium (Dop-pel¬studium) Philosophie mit dem Nebenfach Orientkunde (Orientalische Sprachen) an der da-ma¬ligen Philosophischen Fakultät dazu. Ein zwei akademische Semester umfassender Aus-lands¬studienaufenthalt als DAAD-Stipendiat galt denselben Fächern an der Universität Göt-tin¬gen, wo ich u.a. die Philosophen Wolfgang Wieland (jetzt Emeritus; zuletzt Heidel¬berg), Erhard Scheibe (jetzt Emeritus, zuletzt in Heidelberg), Olaf Welding (heute Braun¬schweig), Günther Patzig (jetzt Eme¬ritus, zuletzt in Göttingen) sowie Carl Andresen (seither verstorben; damals Evangelisch-Theologische Fakultät) und Carsten Colpe hörte. Nicht uner¬wähnt soll bleiben, dass ich durch die älteren Mitstudenten in den Göttinger Oberseminaren und Privatissima starke Anregungen erfuhr; es waren dies z.B. Dorothea Frede (Emerita von Ham-burg; heute Kalifornien), Michael Frede (unlängst verstorben; zuletzt Oxford), Niels Öffenberger (heute Münster) und Gisela Striker (heute USA). Ein spätes Studiensemester ver-brachte ich 1977 an der Victoria University in Manchester, England, wo ich u.a. Desmond P. Henry und Czeslaw Lejewski hörte. In Graz studierte ich Philosophie u.a. bei Johann Fischl, Paul Asveld, Amadeo Silva-Tarouca, Rudolf Freundlich, Rudolf Haller, Roderick Chisholm, Keith Lehrer und Stephan Körner.
Mit 1. Mai 1968 wurde ich Wissenschaftliche Hilfskraft an der Theologischen Fakultät der Uni¬¬ver¬sität Graz, später Vertragsassistent und ab 1972 Universitätsassistent mit Schwerpunkt „Antike und Christentum“. Im Sommersemester 1970 schloss ich das Theologiestudium mit dem „Absolutorium“ (alte Studienordnung) ab; aufgrund einer zusätzlich verfassten Diplom¬ar-beit zur Wissenschaftstheorie der Theologie wurde ich im Herbst 1971 zum Mag.theol. spon¬-siert. Meine philosophische Dissertation über Anselms Proslogionbeweis (bei Rudolf Haller und Rudolf Freundlich) konnte bereits 1974 publiziert werden, am 17.4.1975 wurde ich „sub auspiciis prae¬si¬dentis“ zum Dr.phil. promoviert. Per 1. Mai 1975 trat ich eine Ad-personam-Assistentenstelle am Institut für Philosophie der Geisteswissenschaftlichen Fakultät an, an welcher ich zum 1.9.2010 in Forschung und Lehre tätig war. (Seit dem WS 2010/2011 im Ruhestand habe ich meine Lehrtätigkeit reduziert.) Für das akademische Jahr 1977/78 nahm ich eine Einladung als Gastprofessor an die Universität von Colorado in Boulder (USA) an, an welcher Lehranstalt ich „über Nacht“ eine große Lehrverpflichtung von drei drei¬stün¬digen Kursen pro Semester auf¬ge¬bürdet bekam, die ich in englischer Sprache ableisten mußte. Neuerliche Einladungen als Gastprofessor durch die selbe Universität konnte ich aber aus Grün¬den des Curriculums nicht annehmen. 1980 ersuchte ich die Heimat-Fakultät in Graz um Habilitation im Fach Philosophie; das Verfahren zog sich durch den „einsamen“ Widerstand von Ernst Topitsch in die Länge und konnte erst 1981 abgeschlossen werden. Als habilitierter Universitätsassistent wurde ich in ein dauerhaftes Dienstverhältnis übergeführt, avancierte zum Oberassistenten, schließlich zum Assistenzprofessor und bin seit 1997 Ao. Professor. Das akademische Jahr 1982/83 verbrachte ich als Gastprofessor an der Universität von Ari¬zo¬na in Tucson (USA); weitere kürzere Gast¬professuren bzw. solche, die ich von Graz aus wahrnehmen konnte, absolvierte ich in Maribor, Slowenien, 1993/94 und im SS 1996 sowie in Pécs, Ungarn, im SS 1995 und wieder im WS 1997/98, wo ich immer auch „semester¬wertige“ Seminare bzw. Lehrveranstaltungen für höher¬semestrige Studenten abhielt. Meine For-schungen konzentrierten sich seit der Assistentenzeit beim Grazer Patristiker Johannes B. Bauer (verstorben 2008) auf Spätantike und Mittelalter, wobei von Beginn weg sowohl latei-nische wie auch griechische Texte bzw. Autoren die Basis bildeten. Ende der siebziger Jahre lud mich Professor Wolfgang Röd von der Universität Inns¬bruck ein, Band IV seiner bei Beck in München herausgegebenen Geschichte der Philosophie: Die Philosophie der ausgehenden Antike und des beginnenden Mittelalters, zu übernehmen, welche „Schwerarbeit“ ich ernstlich erst nach der Rückkehr aus Arizona (1983) in Angriff nahm. Lange und intensive Forschungs-arbeiten schlossen sich an. Mitten in die Endphase der Aus¬fertigung eines solchen opus mag-num – es waren nur noch drei von dreiundzwanzig Kapiteln unvollendet bzw. in Arbeit – fiel das Briefbombenattentat durch Franz Fuchs („lebenslänglich“ verurteilt 1999; 2000 durch Suizid aus dem Leben geschieden) auf meine Person. Am 5.12.1993 wurde der am 3.12. nicht an der Wohnadresse zugestellte Bombenbrief als solcher erkannt und ohne Explosion ent-schärft. Trotzdem war mir für etwa eineinhalb Jahre eine Weiterarbeit am Buchmanuskript aus mit dem Attentat zusammenhängenden Gesundheits¬gründen („Posttraumatische Sym¬ptome“) unmöglich, so dass erst zum Jahres¬be¬ginn 1997 der 513 Seiten starke Band in Druck gehen konnte. Meine Publikationen zeigen eine weit gestreute Breite der Spezialisierung, wobei ich insbesondere auf meine Arbeiten zu Philo Judaeus, Apuleius, Alcinous, Anselm von Canterbury und Peter Abaelard sowie zur Öster¬reichischen & Slowenischen Philosophie im 19. und 20. Jahrhundert hinwei¬sen möchte.
Vom WS 2005/2006 bis 31.8.2010 war ich Vorsitzender der Curricula-Kommission für das Lehr¬amts¬stu¬dium „Unterrichtsfach Psychologie und Philosophie (PuP; 299)“ an der Univer¬si-tät Graz, so¬wie stellvertretender Vorsitzender der Curricula-Kommission für das Bachelor- und Master¬studium der Philosophie (296).

(December 2011)



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